Tonbeispiele aus der WDW-Arbeitsstelle

Die Grundlage für das Wörterbuch der deutschen Winzersprache bilden etwa 300 (von den insgesamt 447) Sprachaufnahmen, bei denen während der Exploration die Interviews der Gewährsleute (Winzer der älteren Generation) auf Tonband oder Kassette aufgezeichnet wurden. Diese unersetzlichen, vielerorts letztmalig erhobenen Sprachquellen im Untersuchungsgebiet, besonders aus den deutschen Sprachinseln, stellen eine erstrangige Geschichtsquelle für zahlreiche Disziplinen dar. 

Die Antworten auf die knapp 400 Fragen des standardisierten Fragebogens decken nahezu alle Bereiche des Weinbaus ab. Sie reichen von der Rebe, über den Weinberg und die Weinbergsarbeiten, über die Weinlese und Mostbereitung bis hin zum Ausbau des Weins im Keller und zum Weingenuss und Winzerbrauchtum. Nachfolgend können Sie sich Ausschnitt aus den Aufnahmen aus den 1980er Jahre anhören. 

Auf der seit 2006 im Buchhandel erhältlichen WDW 1 (CD) und auf der im Sommer 2007 beim Hirzel Verlag erschienenen "WDW 2 (DVD)" finden Sie weitere Tonbeispiele zu den Themenbereichen  "Weinbergsarbeit, Rebvermehrung und Rebveredlung".

Hier können Sie durch Anklicken des Ton-Symbols  einen Auszug aus einer Feldaufnahme (MP3-Datei) anhören. 

In einer Aufnahme aus Helenendorf in Aserbaidschan nennt die Gewährsperson die Bärentraube als eine am Ort angebaute Rotweinrebsorte, für die synonym der Sortenname Stinketraube verwendet wurde.

Die Gewährsperson aus Bach an der Donau/Regensburg erläutert, dass es sich bei der Rebsorte Hierländer um die Elblingtraube handelt.

Rebsorte Tavkveri oder Blauhölzer

Ein Winzer und seine Ehefrau aus Alexanderdorf in Georgien erklären die Rebsorte Blauhölzer, das ist der schwäbische Name für die früher am Aufnahmeort angebaute ertragreiche Rebsorte Tavkveri.

 

Rebsorte Heunisch

In einem Original-Winzer-Interview unterhalten sich mehrere Gewährspersonen aus Ebernburg/Nahe über die "Bettschisser" genannte früher angebaute Rebsorte, die im Allgemeinen mit der Sorte Gelber Heunisch gleichgesetzt wird und auf den Kleinberger (Elbling) übertragen wird.

Misttrage

Ein Winzer aus Deutsch-Tevel (Ungarn) beschreibt die Mistbäre, das ist eine  Bahre zum Transport des Mists aus dem Stall, zum Weinberg und in den Weinberg bei genügender Breite.

Mehrere Winzer aus Ramsthal/Franken erläutern die Weißweinrebsorte Grobe (Elbling), die nicht zum Essen geeignet war und zu Durchfall führte.

Mehrere Gewährspersonen aus Ramsthal/Franken nennen den Begriff "Rütsche", das ist in Franken schlittenartiges Fahrzeug aus zwei 4 m langen Schwarzkieferpfählen, auf die drei bis vier Querbretter genagelt sind, zum Hinunterfahren des Mists im Weinberg.

Silvaner oder Österreicher

Ein Winzer aus Hechtsheim/Rheinhessen erklärte, dass die Weißweinrebsorte Silvaner früher Österreicher genannt wurde.

Reitz zum Transport von Mist

In Cond/Mosel-Saar-Ruwer, Deutschland nennt die Gewährsperson die Misträuze (Mäntelchen genannt), ein geflochtenes Rückentraggefäß zum Transport von Mist in den Weinberg.

Die Gewährsperson aus Pécs/Fünfkirchen (Ungarn) erläutert, dass die von ihm Lämmerschwanz genannte Weißweinrebsorte im Ungarischen Juhfarku heißt. Es dürfte sich um die Sorte Harslevelü handeln.

©  Besse (21.02.2010)