SPRITZUNG: Seit Ende des 19. Jhs., nachdem die aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten Oidium u. Peronospora (REBKRANKHEIT) sowie der SCHÄDLING Reblaus verheerende Schäden im europ. Weinbau angerichtet u. die fieberhaften Bemühungen um geeignete Bekämpfungsmittel erste Erfolge gezeitigt hatten, wurde das Spritzen der Reben mit Wirkmitteln gegen Krankheits- u. Schädlingsbefall (Brühe, Spritzbrühe, Spritzes, Spritziware, Spritzlütter, Spritzmaterial, Spritzmittel, Spritzsach, Spritzwasser, Ware, Weinspritzmittel) als zusätzl., meist mehrfach zu wiederholender Arbeitsgang im Weinbau übl. (bespritzen, Rebenspritzen, spritzen, Weingartenspritzen). Heute steht den Winzern ein breites Spektrum mod., gezielt wirkender u. umweltverträgl. Fungizide u. Insektizide zur Verfügg. In früherer Zeit kamen heute tw. nicht mehr tolerierte Mittel zum Einsatz. Große Bedeutg. gegen Pilzkrankheiten erlangten kupfer- u. schwefelhaltige Präparate. 1855, schon wenige J. nach dem Auftreten v. Oidium, erkannte man Schwefel als wirksames Bekämpfungsmittel gegen diesen Pilz. Zunächst wurden Schwefelmittel (Schwefel, Staubschwefel, Ventilatorschwefel) in Pulver-, dann auch in gelöster Form versprüht (einstäuben, schwefeln, stauben, stäuben, verstauben). Die Entdeckg. eines ersten Mittels gegen Peronospora ist dem Zufall zu verdanken. In den Weingärten um Bordeaux hatte man schon seit langem die Reben entlang der Landstraßen zum Schutz gegen Traubendiebe mit Kupferkalkbrühe bespritzt. Nach dem Auftreten der Peronosporakrankheit beobachtete man, dass die bespritzten Weinstöcke im Ggs. zu den ungespritzen ihre Blätter behielten, woraus der Mykologe P.-M. A. Millardet auf eine schützende Wirkg. des Kupfers schloss u. 1886 eine 1-2-prozentige Kupferkalklösg., die in Fachkreisen als Bordeauxbrühe bekannt wurde, als wirksames Mittel empfehlen konnte. Für kupferhaltige Präparate u. Lösungen kennen die GWP die Bez. Blaustein, Blausteinwasser, Galitzen, Galitzel, Galitzelwasser, Kupfer, Kupferbrühe, Kupferkalkbrühe, Kupferkalkvitriol, Kupfermittel, Kupferspritzmittel, Kupfervitriol u. Vitriol. Die Zubereitg. des Spritzmittels wurde früher tw. v. den Winzern selbst vorgenommen. Das hierzu benötigte Spritzwasser gewann man vielerorts durch BEHÄLTER in den Weinbergen, in denen Regenwasser aufgefangen wurde. Zur Herstellg. des Spritzmittels wurde Kupfervitriol in Wasser gelöst u. mit sog. Kalkmilch (mit Wasser verdünnter gelöschter Kalk) verrührt, was eine himmelblaue Spritzbrühe ergab, die angebl. bei intensiver Anwendg. gespritzten Weinbergen einen bläul. Schimmer verlieh. Als Instrumente zum Ausbringen des Spritzmittels dienten früher meist auf dem Rücken getragene Handspritzen, bei denen v. Hand gepumpt wurde (brausen); wo noch keine Spritzapparate vorhanden waren, trug man die Brühe mit Wacholderzweigen, Strohbüscheln, Pinseln od. ähnl. Hilfsmitteln auf (SPRITZGERÄT). Gegen Schädlingsbefall versuchte man sich früher noch mit and. Spritzmitteln zu helfen, so etwa mit aus Pflanzen gewonnenen Brühen bzw. Extrakten (Brennnessel, Nikotin, Tabaksbrühe, Tabaksud) od. sogar mit Kuhjauche. Auch wurden schon Präparate gegen Pilze u. Schädlinge kombiniert, z.B. in Apetlon (BURGENLAND), wo Tabaksud u. Galitzen, Galitzel gemischt wurden.- Zur Bekämpfg. der Reblaus, die bei europ. Reben ihr Hauptzerstörungswerk an den Wurzeln anrichtet, wurden eine Vielzahl verschiedenster Verfahren ausprobiert, v. denen sich die allermeisten letztl. als nicht praktikabel erwiesen, sodass sich als wirksamste Maßnahme gegen die Reblaus das Pfropfrebenverfahren (VEREDLUNG, VERMEHRUNG) durchsetzte. Einige GWP konnten sich noch an ältere Bekämpfungsmethoden erinnern, z.B. Versuche der Entseuchg. des Weinbergsbodens durch das Tränken mit Petroleum od. durch Injektionen v. Schwefelkohlenstoff (Erdspritzsach, vergiften).-Lit.: Egli 1982, 140f.; Höfflin 1983, 83ff.; Müller K. 1930, 452ff. 559f. 665ff. 730ff. 755ff.; Scheu 1950, 203ff.; Schumann 1998, 158. 186. 210; Schwemmer 1961; Seppälä 2001, 131ff.; Robinson 2003, 699. 701; Weber W. 1949, 193ff.- R.P.










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