REBE:
I. Allgemeines.
II. Rebstock.
III. Teile des Rebstocks.
IV. Alter.
V. Schlecht tragende u. ausgehauene Rebe.
VI. Reblausresistente Rebe.
I. Allgemeines: Die durch VEREDLUNG nutzbar gemachte Weinrebe (Vitis vinifera L.), deren Trauben vorwiegend zur Weinbereitg., aber auch als Tafeltrauben (REBSORTE) genutzt werden, gehört zur Familie der Rebengewächse (Vitaceae). Ihre jahreszeitl. bedingten Erscheinungsformen, z.B. das Wachstum, der Blütevorgang u. die Fruchtbildg., werden in dem Art. PHÄNOLOGIE behandelt. Zu den in der Heilkunde verwendeten Teilen der Rebe, vor allem des Rebsafts, s. den Art. MENSCH.- II. Rebstock: Die gesamte Pflanze, der Rebstock, wird v. den Winzern Grongge, Kopf, Rebe, Rebstock, Reben-, Stach, Stachen, Stake, Staude (Staude, Stauden), Stock, Stöcklein, Stöcke-, Stöckel, Traubenstock, Träubelstock, Wein, Weinbeerstock, -beeren-, Weinbergstock, Weingartstock, -garten-, -garts-, Weingartstöcklein, -garts-, -stöcke-, Weinkopf, Weinrebe, Weinstock, Weintraubenstaude od. Weintraubenstock genannt.- III. Teile des Rebstocks: Als Schlingpflanze benötigt sie zu ihrer Kultivierg. meist eine Rankhilfe (REBERZIEHUNG). Als Samenpflanze weist sie die für diese Pflanzengruppe typ. Organe auf: Blätter (BLATT), Triebe, Blüten (PHÄNOLOGIE, GESCHEIN), Früchte (TRAUBE) u. Wurzeln (WURZEL). Der unterirdische Teil der Rebe besteht aus einem recht weit verzweigten System v. Wurzeln. Zu den oberirdischen Organen der Rebe gehören der Stamm - ggf. der Schenkel - u. die Ruten (HOLZ/TRIEB). Von den Winzern wurde nur selten die innere Rebrinde (Bast, Bastrinde, Innenrinde, Kern, Kernen) v. der äußeren Rinde unterschieden (Bast, Bastrinde, Borke, Borkenrinde, Ekors, Haut, Hülse, Hülsche, Rebstockrinde, Rebhaut, Rebrinde, Reben-, Rebschäle, Rebschäle, Rinde, Rindenbast, Rintsche, Schale I (Hülse), Schäle, Schälete, Schälfer, Schalze, Schälze, Schinde, Schörze, Stockrinde, Stockschale, Weinrinde, Weinstockrinde). Ist die Winterruhe beendet, beginnt der Rebsaft (Gesaft, Rebengesaft, Rebsaft, Reben-, Saft) im Rebstock zu zirkulieren. Für das Absondern des Rebsafts bei (zu spätem) REBSCHNITT werden v. den Winzern V. verwendet, die sonst das Weinen beim Menschen bez. (briegen, flennen, grannen, grännen, greinen, heulen, kreischen, mauksen, plärren, röhren, schreien, weinen, zähren, zännen). Die zweispr. GWP aus Bronzolo/Branzoll (SÜDTIROL) kennt hierfür auch den it. Ausdr. le pianse (vgl. it. piangere). Der Blütenstand der Rebe wird in dem Art. GESCHEIN u. die Frucht in dem Art. TRAUBE behandelt.- s.a. Egli 1982, Kart. 9ff.- IV. Alter: Ein junger Rebstock, der gepflanzt wird (PFLANZUNG), heißt Frische, Jungpflanze (jung), Rasel, junge Rebe, Reblein, Rebe-, Rebsetzling, Reben-, Reifling, Setzling, Stöckelchen, junger bzw. neuer Stock (neu), Stöcklein, Stöcke-, Stöckel, Weingartstöcklein, -garts-, -stöcke-, Würzling od. Wurzrebe, Wurzen-. In Monsheim RHEINHESSEN wird der Rebstock bis zum 3. J., bes. in der Junganlage (NEUANLAGE), Stämmchen genannt. Ist der Rebstock im 2. J. in Kniehöhe angeschnitten, heißt er in Winningen (MOSEL) Hochkopf. Erhält er schließl. 3 J. nach der Pflanzg. zum 1. Mal einen Bogen, nennt man ihn in Graach a.d. Mosel Erstling. Zur Bez. des alten Rebstocks wird häufig das Adj. alt hinzugefügt bzw. substantiviert (Alte, alter Klotz bzw. Knochen, alte Rebe, alter Rebstock, Reben-, Stock bzw. Weinstock).- V. Schlecht tragende u. ausgehauene Rebe: Eine alte od. schlecht tragende Rebe wird in manchen Gegenden durch best. Maßnahmen (regeln, ringeln) vor dem Aushauen ein letztes Mal zu vermehrtem Fruchtansatz gebracht. Die für sie verwendeten Fachw. rekurrieren vorzugsweise auf die schlechte Blüte, spez. auf das Abfallen der Blütenköpfchen (ausrieseln, durchrieseln, reisen, rieseln), u. auf die übermäßige Laubbildg. od. gehen auf Ausdr. zurück, die beim Menschen das Nichtstun bzw. Versagen bez. (Ausriesler, Blecketzer, Blinde, Blindgänger, Durchrieseler, Falschblüher, Falschblütler, Faule, Faulenzer, Faulenzerse, Fehlrebe, Gabler, Galter, Herling, Hochzeiter, Hybride, Jahrträger, fauler Kerl, Künne, Knützer, Knuppert, Krauterer, Krüppel, Kümmerer, Kümmerling, Laubstock, Laubträger, Lump, Lumpen II (Nichtsnutz), Narrenstock, Nichtsnutz, Nichttrager, Pautert, Pranger, Prangerstock, Rammler, Raude, Reiser, Riesler, Rieseler, Rotberger, Rothölzler, Rotlauber, Schüttler, Serbel, Serben, Serber, Siecher, Spitzlauber, Spitzlauberin, Taugenichts, Untucht, Versager, Wildblüher, Zuluger, Zulugerin). Die Rebe, die abgestorben ist od. nicht mehr gut trägt (Brack II, Bracken II (Ausschuss)), wird aus dem WEINBERG entfernt. Entweder wird zuerst der Rebstamm abgeschnitten u. dann der Wurzelstamm mit den Wurzeln entfernt od. sie wird komplett aus dem Boden herausgerissen (BODENARBEIT). Für den alten, ausgehauenen, dürren Stumpf wurden v. den GWP eine Vielzahl v. Fachw. mitgeteilt (Alte, Babka, Bogen, Brändlein, Brucke, Brücke, Dürre, Dürrling, Garkel, Grongge, Grumpes, Heimgänger, Kabe, Käbe, Klotz, Klötzlein, Klötze-, Knausen, Knorren, Knorz, Knorzen, Knörz, Knörzen, Knorzel, Knurzel, Knubben, Kopf, Kotor, Krampe, Krampen, Kränke, Kränkde, Kränkelein II (Rebstumpf), Krucke, Krücke, Krüppel, Murer, Rampen, Raude, alte, gedraugte (traugen, treugen) bzw. hinige Rebe, Rebenknorzel, Rebentrunk, Rebgarkel, Rebklotz, Reben-, Rebknäuel, Rebknorren, Reben-, Rebknorz, Reben-, -knorzen, Rebkrampen, Rebschenkel, Reben-, alter bzw. verdorrter Rebstock, Reben-, Rebstorzen, Rebstumpen, Reben-, -stump, Rebwurzel, Reben-, Rohne, Sarment, Schenkel, Schgorren, alter Schnorren, Stamm, Staul, Stäul, Stäule, alter, abgestandener, ausgedienter, ausgehauener, ausgehackter, dürrer, treuger bzw. vertreugter Stock, Storren, Storzen, Strunk, Stubben I (Stumpf), Stummel, Stumpf, Stumpen, Stumpfel, Stümpfel, Torsche, abgestorbener Traubenklotz, alter Traubenstock, Traubenstockstumpen, Trunk II (Stumpf), Weingartknorzen, Weingarts-, -knörzen, Weingartsklotz, Weingartsklötzlein, Weingartsknubben, Weingartstock, -garten-, -garts-, Weinknorren, Weinmörder, alter bzw. gerodeter Weinstock, Weinstockstumpen, Weinstorzel, Weinstubben, Weinstumpen, Wurzel, Wurzelkabe, Wurzelknorren, alter Wurzelstock, Wurzelstumpf).- VI. Reblausresistente Rebe: Zur Vermeidg. des Reblaus-Problems (SCHÄDLING) wurden Veredlungen (VEREDLUNG) od. reblausresistente Reben verwendet (reblausbeständig, reblausfest, reblaussicher, reblauswiderstandsfähig).- s.a. Ableiter (Kecht 1868, 13); Deckrebe (SchaffhWB 358 s.v. Teckräbe); Kurzglied n. (RheinWB 4, 1774); Rodrebe (ShessWB 4, 1439); Schang m.(?) (Kleiber/Venema 1992, 12); Schlingrebe (Koch H.-J. 1976, 96); Schnucke f. (Kleiber/Venema 1992, 12); Stiefler (Mayr C. 2001, 162); Topfrebe (Koch H.-J. 1976, 96); mhd. wngart m. 'Weinrebe' (Lexer 3, 902); Zweifünftelrebe (SchweizWB 6, 42).- Lit. (überwiegend mit Abb.): AIS 1305; Ambrosi 1998, 16ff.; Arthold 1929, 3ff.; Babo/Mach 1923, 1/1, Kap. VIII; Bauer K. 2002, Kap. 2; Bonte [1922]; Bronner 1857; Currle u.a. 1983; Eggenberger u.a. 1983, Kap. 1.3; Goethe J.W. 1964; Hege 1925; Johnson/Robinson 2002, 18f.; Klingner [1935], 17ff.; Koblet [1975]; Koopmann 1900, 10ff.; LadParth. 1972, 74; Mader J. 1921, 8ff.; MareckAtl. 1870; Regner 1876, 23ff.; Ritter M. 1993; Scharff 1995, 13f.; Scheu 1950, Kap. 1; Tappeiner u.a. 1987; WKW 1/1; SchweizWB 6, 37ff.- M.B.




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