PFAHL:
I. Allgemeines.
II. Pfahlarten.
III. Pfahlaufbewahrung.
I. Allgemeines: In vielen Weinbaugebieten war die REBERZIEHUNG am Einzelpfahl früher die vorherrschende Erziehungsmethode. Heute ist sie vor allem auf steile u. sehr steile Lagen (vgl. z.B. das Anbaugebiet MOSEL) beschränkt, da sie ein Quergehen zum Hang ermöglicht. Hierbei erhält jede Rebe zur Unterstützg. einen eigenen Pfahl. Früher wurden in Malans (GRAUBÜNDEN) die hölzernen Rebpfähle (Stickel, Stichel) auf dem sog. Stickelmarkt gekauft. In FRANKEN hieß ein Bündel v. 60 Stützpfählen Schock.- II. Pfahlarten: Die im WEINBERG verwendeten Pfähle wurden vielfach v. den Winzern selbst hergestellt. Zunächst wurde der Baumstamm in 2 Teile gespalten (halbieren), dann noch weiter zerteilt (reißen), sodass man je nach Stärke des Stamms 4-6 Pfähle erhielt. Je nach Dialektgebiet sind unterschiedl. Bez. gültig, z.B. Einzelpfahl, Meißnerpfahl, Pfahl, Pfählchen, Pfähllein, Pfähle-, Pflock, Pfosten, Post, Posten II (Pfahl), Rebpfahl, Reben-, Rebstecken, Reben-, -steck, Rebstecklein, -stecke-, Rebstickel, Reben-, Rebstock, Reben-, Spachen, Stach, Stachen, Stake, Staffel II (Pfahl), Staul, Stäul, Stäule, Steck, Stecken, Steiper, Stickel, Stichel, Stiefel II (Pfahl), Stüpfel, Stock, Stockpfahl, Strebe, Stützpfahl, Weinbergstecken, Weingartpfahl, -garten-, -garts-, Weingartpflock, Weingartrahm, Weingartsstach, Weingartstecken, -garten-, -garts-, Weingartstickel, -garten-, -garts-, Weingartstiefel, -garts-, Weinpfahl, Weinpfosten, Weinstecken, Weinstock u. Weinstockpfahl. Der Stützpfahl ist i.d.R. aus Holz (Holzpfahl, Holzstickel) gefertigt. Auf die verwendete HOLZART weisen Akazienpfahl, Eichenpfahl, Eichenstiefel, Lohpfahl u. Weidenpfahl hin. In Harsberg (WÜRTTEMBERG) wurden früher bei der KOPFERZIEHUNG nach dem Hacken mind. 4 Pfähle angebracht: 3 Pfähle für die 3 Schenkel (HOLZ/TRIEB) sowie der sog. Stumpen (Stumpf, Stumpen), wohl ein kürzerer Pfahl für den Kopf, spez. für das Kopfrütlein, das als Ersatz für einen abgebrochenen Schenkel nachgezogen wurde. Im DRAHTRAHMEN wird der Endpfahl, der am Ende einer Drahtrahmenzeile steht, v. den meist schwächeren Zeilenpfählen unterschieden, die zw. den beiden Endpfählen einer Drahtrahmenzeile angebracht sind. In Kippenheim (BADEN) hießen die kleineren gesägten Pfähle im Innern des Drahtrahmens Stecken (Steck, Stecken), die größeren runden Pfähle in der Grenzzeile dagegen Pfahl. Diese waren ca. 2-3m lang u. wurden v. Hand mit etwa 5 Stößen in den Boden gestoßen, während die kleineren mit der Stickhaue eingerammt wurden. An der MOSEL wurde in Grenzpfähle der N des Eigentümers eingebrannt (Brandstecken).- III. Pfahlaufbewahrung: In zahlr. Anbaugebieten wurden früher die Pfähle über Winter aus dem Boden gezogen (ARBEIT), um sie vor Feuchtigkeit zu schützen od. um mit ihnen die Reben als Frostschutz zu bedecken. Für die ausgezogenen Pfähle wurden verschiedenartige Vorrichtungen (z.B. Steckslehne) geschaffen, um Bodenkontakt u. damit ein Faulen zu verhindern. Diese werden wegen der scherenförmigen Form als Steckenschere, wegen der haufenförmigen Form als Pfahlhaufen, Pfahls-, Pfähl- od. Steckenhäuflein bez. od. mit Tierbez. (Bock, Böcklein, Böcke-, Holzbock, Esel, Geiß) benannt (GERÄT). In Hammelburg (FRANKEN) z.B. wurden 4 Pfähle eingeschlagen u. 5-6 Pfähle quer auf den Boden gelegt; hierauf kamen die übrigen ausgezogenen Pfähle, deren Spitzen immer nach S zeigten, damit sie gut abtrockneten. In Harsberg (WÜRTTEMBERG) wurden die Reben im Herbst - wie auch in and. frostgefährdeten Gebieten - entweder mit den ausgezogenen Stützpfählen od. mit Erde bedeckt. In dem erstgenannten Fall wurden im Frühj. die Pfähle eingesammelt, in eine aus 4 eingeschlagenen Pfählen provisorisch errichtete Pfahlstatt, Pfähl-, -statte gelegt u. nach dem Hacken (BODENARBEIT) wieder gesetzt. Zum Schluss wurde die Pfahlstatt gehackt. Wurden die Reben mit Erde bedeckt, stellte man im Herbst aus den ausgezogenen Pfählen sorgfältig ein Gerüst, gleichfalls Pfahlstatt genannt, her, bei dem die Pfähle oben zusammengebunden, dicht zusammengestellt u. festgeklopft wurden. Dieses befand sich immer i.d.Mi. eines Beetes (Beet), das aus 10-12 Zeilen (WEINBERG) bestand. In Sulzfeld (BADEN) wurde bis ca. 1945 zunächst eine primitive Lagermethode praktiziert: 3 Pfähle wurden auf den Boden gelegt u. die übr. dachartig darauf aufgeschichtet. Später wurde aus 2 überkreuzten Pfahlpaaren ein krippenartiges Gestell errichtet, in das die Pfähle hineingelegt wurden. Beides nannte man Pfahlstatte.-Lit.: Eggenberger u.a. 1983, 739; Müller E. u.a. 2000, Kap. II.4.1; Redl u.a., Kap. 10; Schumann 1998, 75. 258.- M.B.
Reben am Einzelpfahl
Reben am Einzelpfahl










Zeilenpfahl
Zeilenpfahl








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