LESEWAGEN:
I. Allgemeines.
II. Fahrzeugtyp.
III. Teile: A. Langbaum, Achse u. Achsenbett.- B. Runge.- C. Wagenleiter u. Seitenbrett.- D. Traggerüst.- E. Knebel u. Kette.- F. Gabeldeichsel.- G. Plane.- H. Polster.- I. Sonstiges.
I. Allgemeines: Bei der LESE wurden früher die gelesenen Trauben bzw. die MAISCHE mit dem Lesewagen v. WEINBERG nach Hause transportiert. Hierzu wurden vielfach auch Wagen benutzt, die üblicherweise in der Landwirtschaft Verwendg. fanden (Ackerwagen, Bauernwagen, Heuwagen) od. eigtl. dem Fasstransport (Schröterkarren) vorbehalten waren. Zum Abschluss der Lese war es vielerorts BRAUCH den letzten Lesewagen (Fuder, Fuhre) zu schmücken (Char).- II. Fahrzeugtyp: Grundsätzl. werden nach dem Oberbau des Wagens Leiterwagen u. Kastenwagen unterschieden. Häufig wurde der Leiterwagen spez. für die Traubenlese umgerüstet, d.h. die Leitern wurden entfernt u. ein spez. Traggerüst errichtet bzw. Balken zur Verstärkg. unter die Gefäße gelegt. Oft wurde zusätzl. mit Hilfe eines Knebels eine Kette um die Gefäße gespannt, um ein Herabrutschen zu verhindern. Als Polster wurde Stroh, abgeschnittenes Rebholz od. dgl. untergelegt. Für den Transport des Leseguts v. Weinberg nach Hause wurden v. den GWP z.B. folg. Wagentypen aufgezählt: Bennenwagen, Bordwagen, Bretterwagen, Bruckwagen, Brucken-, Brücken-, Büttigwagen, Dielwagen, Dielen-, Eisenwagen, Ernwagen, Erntewagen, Gummiwagen, Herbstwagen, Herbsten-, Karch, Karre, Karren, Kastenwagen, Kipfwagen, Kipper II (Fahrzeug), Kippwagen, Kistenwagen, Kufenwagen, Lastwagen, Leiterwagen, Leiteren-, Leswagen, Lese-, Lesen-, Lischenwagen, Maischbahre, Maischewagen, Plateauwagen, Pritschenwagen, Remork, Rolle, Rungenwagen, Schanzwagen, Schwebwagen, Schweben-, Streifwagen, Träubelwagen, Traubenerntewagen, Traubenlesewagen, Traubenwagen, Trogwagen, Vierradler, Vierradlerwagen, Weinwagen u. Zubernwagen. Meist handelte es sich um hölzerne Wagen (Holzwagen), die v. Zugtieren (Fuhrwagen, Fuhrwerk), z.B. v. Pferd (Pferdewagen, Rosswagen), seltener v. Hand (Handwagen) gezogen wurden. Manchmal benutzte man auch die Schubkarre (Schubkarch). In jüngerer Zeit verwendeten die Winzer Traktoren mit Anhänger, vereinz. auch den Bulldog. In Hammelburg (FRANKEN) besaß das Wägelein eiserne Räder u. eine sog. Brücke (Brucke, Brücke), auf welcher das Gefäß (Kufe II (Gefäß)) mit der Traubenmühle stand; es wurde zuerst leer u. später mit dem Lesegut gewogen. Der Zwiestängleinwagen, ein zur Lese umgerüsteter Bauernwagen, besaß in Perna/Bergen (TSCHECHIEN) oben u. unten 2 Stangen, damit das Transportgefäß nicht ins Rutschen kam. Im J. 1983 benutzte man in Unterjesingen (WÜRTTEMBERG) einen Pritschenwagen, der aus einem luftbereiften Anhänger u. Schlepper bestand; dieser besaß seitl. einen Schlag, damit die Gefäße nicht herunterrutschen konnten; früher wurden dagegen die Gefäße nur mit Seil, Seile u. Kette festgebunden. In neuerer Zeit kamen Traktoren (Trakteur, Traktor, Trecker) mit Anhänger (Hänger) zum Einsatz. Mancherorts wurde das Lesegut zunächst mit schmalspurigen Fahrzeugen (Schmalspurschlepper) aus den engen Rebzeilen transportiert. Das ebenfalls hierzu verwendete Kärchelchen (Traubenkärchelchen) besaß 2 Gummiräder.- III. Teile: A. Langbaum, Achse u. Achsenbett: Der Langbaum (Langbäre, Langert, Langhabe, Langwiede) ist ein Längsbalken, der in den Achsenstock eingebettet ist. Er verbindet den Vorderwagen mit dem Hinterwagen. In den Achsenstock ist vorn u. hinten die Achse (Vorderachse, Hinterachse) eingelassen.- B. Runge: Bei der Runge (Groffe, Kipfe, Kipfen, Leische, Storren) handelt es sich um ein seitl. am Wagen befestigtes (senkrechtes) Stützholz, das gew. als Halterg. für die Seitenwände dient; i.d.R. befanden sich 4 Rungen am Wagen. An ihnen wurden auch Stangen bzw. Leitern (vgl. C.) als seitl. Begrenzg. bzw. die Kette befestigt, die mit Hilfe eines Knebels (vgl. E.) um die Gefäße gespannt wurde.- C. Wagenleiter u. Seitenbrett: Früher wurde bei der Lese vielfach der in der Landwirtschaft übl. Leiterwagen verwendet. Entweder beließ man die Leitern (Holzleiterlein, Leiter, Leiterlein) als seitl. Begrenzg od. rüstete - was häufiger vorkam - diesen Wagen spez. für die Lese um. Die Leitern wurden entfernt u., um ein Herabrutschen der Gefäße zu verhindern, an den Seiten des Lesewagens entw. Bretter (Aufsteller) od. Stangen angebracht, an denen die Transportgefäße wie Bütten (Bütte) od. Leitfass mittels Knebel, Ketten (vgl. E.) u. Stricken befestigt wurden. Um die Gefäße bes. zu sichern, brachte man vielerorts auch ein spez. Traggerüst (vgl. D.) auf dem Wagen an. In Nack (RHEINHESSEN) wurde auf beiden Seiten je ein Brett (Aufsteckerdiel) zw. Bütte u. Rungen gesteckt. Zu den Fässern u. weiteren Transportgefäßen auf dem Wagen s. die Art. GEFÄSS u. FASS.- D. Traggerüst: Häufig wurde jedoch zusätzl. ein spez. Traggerüst für die bottichartigen Lesegutgefäße bzw. das Leitfass angebracht, od. man legte zur Verstärkg. 2 Balken (Holzstaffel) auf den Wagen, auf welche die Gefäße gestellt wurden; andernorts stellte man sie zw. diese Balken, damit sie nicht verrutschen konnten (Balken I (Holzbalken), Baum, Bloschatke, Brancard, Brucke, Brücke, Bruckgestell, Büttenbaum, Fassböcklein, Geleg, Gelege, Gerüst, Gestell, Güfi, Herbstbaum, Herbstboden, Herbstgestell, Herbstleiter, Kufenleiter (vgl. Kufe II (Gefäß)), Ladbaum, Lade-, Ladgeschirr, Lager, Läger, Leger, Lägner, Legner, Längsbaum, Lattenrost, Lege, Leck, Leiter, Leiterbaum, Lesbäumlein, Lische (Lischenwagen), Maischbaum, Mostgüfi, Rungbaum, Schanz, Schanze, Schanzbaum, Schörchen, Schrotladen, Schrotleiter, Staffelholz, Standenprügel, Tifibaum, Trage, Traggeschirr, Traubenbloschatke, Unterlage, Vierkantbalken, Weinbaum, Weinbeerschanze, Wimmlergestell). In Erlach (BERN) wurde früher das Güfi ausschließl. für den Traubentransport verwendet. Im ELSASS befand sich auf dem Lesewagen das Herbstgestell, auf das 7-8 Bütten (Bütti) gestellt werden konnten u. das mit einer Wagenkette u. Holzprügel gespannt wurde. In Bergholtz/Bergholz benutzte man in den 1980er J. dieses Herbstgestell nicht mehr, da zu wenig Lesegefäße darauf passten. Man verwendete entweder den Pritschenwagen od. den Plateauwagen, auf denen 18 Bütti Platz hatten, od. den Kipper II (Fahrzeug) mit einer Benne, die 2-2,5t Lesegut fasste. In Heiligenstein standen 2 Bütten auf der Plattform des Wagens, die nur mit einer Kette befestigt (verankert) waren. In Contz-les-Bains/Niederkontz (LOTHRINGEN) hielten nur 2 Querhölzer (Querholz) die Bütten fest. In Heppenheim (HESS. BERGSTRASSE) wurden auf den Wagen in Längsrichtg. 2 Vierkantbalken gelegt. Auf diesen wurden Querholme (Holm) befestigt u. re. u. li. an die Runge ein Reitel angebunden. In Beckstein (BADEN) bestand das Traggeschirr aus 2 dicken runden Hölzern, die mit Latten verbunden waren; 2 flache Bäumlein wurden in Fläsch (GRAUBÜNDEN) benutzt. In Dolni Dunajovice/Untertannowitz (TSCHECHIEN) befanden sich re. u. li. die Zwiestänglein, an denen das Gefäß, unter das zum Abpolstern Bauschen (Bausch) gelegt wurden, mit einer Kette befestigt wurde. In Winningen (MOSEL) gab es versch. Möglichkeiten: a) die Dielen (Diel, Diele), auf denen die Gefäße stehen sollten, wurden doppellagig aufgelegt, da sie sonst zu schwach waren; b) es wurden 2 Balken angebracht, die Herbstbaum genannt wurden; c) es wurde ein fester Herbstboden benutzt, der aus 2 miteinander verbundenen Balken u. 2 dazwischen gelegten dünneren Brettern (Dielen) bestand, auf denen man stehen konnte, die im Ggs. zu den Balken aber nicht die Last der Gefäße trugen. Die Bretter u. die Oberkante der Balken bildeten eine geschlossene Fläche.- E. Knebel u. Kette: Meist wurden die Gefäße bzw. das Leitfass, mit dem die MAISCHE v. Weinberg nach Hause transportiert wurde, zusätzl. mit Kette u. Knebel befestigt, um ein Verrutschen bzw. Herabfallen zu verhindern. Hierzu wurde die Wagenkette (Bindkette, Brüchenkette) mit dem Knebel, einem Knüppel aus zähem Holz (z.B. Akazie od. Hainbuche), gespannt. Diese Tätigkeit nannte man brüchen od. reiteln (Bengel, Bindbengel, Bindknebel, Bindereitel, Brüchbengel, Brüchbengelein, Holzprügel, Knebel, Knüttel, Reitel, Reitelsteck, -stecken, Rungreitel, Spannbengel, Spannprügel, Sprenkel, Sprenkelreitel). In Pfaffenheim (ELSASS) wurde das Traggerüst für Gefäße ebenfalls mit Brüchbengelein od. Bengelein, an denen sich ein Seil befand, mittels einer Kette vorn, hinten u. i.d.Mi. gespannt, damit es nicht auseinanderbrach. In Hemsbach (BADEN) war der Reitel ca. 0,5m lang. In Ohlsbach wurden früher ein größerer Bengel u. ein kleineres Bengelein verwendet, später kam die Spannwinde auf. Auch in Friesenheim wurden zum Spannen der Kette am Dielwagen, Dielen- ebenfalls 2 Knebel benutzt: der Spannbengel u. das kleinere Brüchbengelein, das in eine Schlinge der Kette gesteckt wurde. In Schriesheim befestigte man die 2 Tragbäume, die untereinander ihrerseits mit Querschwingen verbunden waren u. auf denen der Mostzuber stand, mit einer Kette am Unterwagen. In Monzingen (NAHE) sind Reitel u. Bindereitel die älteren Bez., Bindknebel ist das jüngere Fachw. In Fürfeld (RHEINHESSEN) wurden Bindkette u. Knebel nur beim Leitfass verwendet; beim Transport v. Bütten wurde an den Rungen ein Brett (Diel, Diele) hochgestellt, um ein Herabfallen zu verhindern. In Georgsfeld (ASERBAIDSCHAN) wurden Ketten selten benutzt; damit die Gefäße (Stande) nicht verrutschten, wurde ein Standenprügel hinten, einer vorn u. einer i.d.Mi. angebracht.- F. Gabeldeichsel: In Orschwihr/Orschweier (ELSASS) befand sich am Lesewagen u. auch am zweirädrigen Mistkarren ("Scheekorre") eine Gabeldeichsel (Lande), zw. die eines der beiden Zugpferde eingespannt wurde. Ging es bergauf, wurde das 2. Pferd (Ross) vorgespannt.- G. Plane: In Westhofen (RHEINHESSEN) wurde die Rolle, ein flacher, offener Ackerwagen, mit einer Plastikplane ausgelegt, auf den die unzerkleinerten Trauben geschüttet wurden. Diese Transportmethode wurde vor allem v. den Winzern bevorzugt, die ihr Lesegut an die Winzergenossenschaft (WINZERVEREINIGUNG) ablieferten. Auch in Kallstadt (PFALZ) breitete man auf der sog. Gummirolle eine wasserdichte Kunststoffplane aus. In Gambach (FRANKEN) wurde gleichfalls eine Plastikfolie auf dem Wagen verwendet.- H. Polster: Als Polster unter den Holzgefäßen dienten Bündel aus Stroh, Heu, abgeschnittenem Rebholz, Schilf, Reisig u. dgl. (Bausch, Busch, Buschen, Rebbausch, Rohrbausch, Strohbausch, Strohbuschen). In Xanlar/Helenendorf (ASERBAIDSCHAN) wurden die Transportgefäße (Stande) mit Stroh od. Heu fest in den Lesewagen hineingestampft; in Grünfeld diente ebenfalls Heu als Polster, ebenso in Katharinenfeld (GEORGIEN).- I. Sonstiges: Von den GWP wurden, tw. ohne nähere Erl., noch die folg. Wagenteile genannt: Anwinde 'Bremse', Bodendiel, Drehschemel, Hege I (Zaun) (seitl. Begrenzung?), Leiterbaum, Nabe, Rahmenschenkel, Schemel, Sprenkelstange, Windachse u. Windlöffel. In Thörnich (MOSEL) befanden sich am Lesewagen Schnecken (Schnecke, Schnecken), die das Lesegut zerkleinerten. In Pfaffenheim (ELSASS) erledigte dies der Teil des Lesewagens, der Fouloir genannt wurde u. aus Walzen (Walze) mit Zacken bestand.- s.a. Bundkette (LadParth. 1972, 172, Abb. 147c); Bundknüttel (ib. Abb. 147c); Kettenbund (ib. Abb. 147); Riel (ib. Abb. 147a); Spol (ib. 173, Abb. 148); Traubenvollernter (Steffens 2005b, 340, Abb. 6).- Lit. (überwiegend mit Abb.): Balkenholl 1929; Freudenberg 1960; Goß 1981a, 25; LadParth. 1972; Müller O. 1977, 290f.; Schlimmgen-Ehmke 1988; Tafferner/Schell 1978, 154; Tarr 1978; Thomas E. 1997, bes. 51ff.- M.B.
Lesewagen mit 2 Traubenstanden
Lesewagen mit 2 Traubenstanden




Alter Lesewagen
Alter Lesewagen

Lesewagen
Lesewagen

Lesewagen
Lesewagen




"Lad" mit "Wei
"Lad" mit "Wei

"Wei
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Tonbsp.: Lesewagen (Harka/Harka(u), Ungarn)


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