DÜNGUNG:
I. Allgemeines.
II. Organische Düngung: A. Mit Mist.- B. Sonstiges.
III. Mineralische Düngung: A. Mit natürl. Gestein bzw. Boden.- B. Mit Asche.- C. Mit Kunstdünger.
I. Allgemeines: Ziel der dem Bereich der Bodenpflege u. -bearbeitg. (BODENARBEIT) zugehörigen Düngemaßnahmen (Düngung, -ing) ist eine optimale Nährstoffversorgg. der Reben. Die Bemessg. der Zufuhr v. Düngemitteln in den Weinberg hat sich dabei am Bedarf, insbes. dem Nährstoffentzug durch den abgeführten Traubenertrag u. dem Bodenvorrat an Nährstoffen zu orientieren; Überversorgg. kann für Boden u. Rebe schädl. sein. Man unterscheidet zw. organischer u. mineralischer Düngg.- II. Organische Düngung: A. Mit Mist: Im älteren Weinbau wurde fast ausschließl. mit Stallmist (Bau, Dung, Dungede, Dünger, Hausmist, Mist, Raumen, Stalldung, Stalldünger, Stallmist, Strohmist, Weindünger, Weingartmist) gedüngt, der i.d.R. aus dem eigenen Wirtschaftsbetrieb stammte, ggf. aber auch gekauft wurde. Meist handelte es sich um Rindermist (Kuhmist, Küh-, Kuhstallmist, Rindermist, Viehmist). Daneben wurde auch Mist v. Pferden (Pferdemist, Rossmist, Rosse-) u. and. Haustieren (Ferkleinmist, Geißmist, Hühnermist, Kaninchenmist, Saustallmist, Schafmist, Schafs-) verwendet, selten auch Jauche (Mistlache, Mistwasser, Pfuhl, Pudel). In der Regel erfolgte das Misten (zu den dabei verwendeten Gerätschaften s. GERÄT) im Abstand v. 2-4 J. Die bes. in steileren Lagen mit großer körperl. Anstrengg. verbundene Arbeit fiel gewöhnl. in die Zeit nach der Lese bis zum Frühj. Der Mist wurde mit Fuhrwerken, im Winter auch Schlitten zum Weinberg gefahren u. mit Butten, Körben, Tragen, Rutschen od. Schubkarren (FAHRZEUG, GEFÄSS) in den Weinberg verbracht (ausfahren, außeführen, ausführen, buckeln, einetragen, -trägen, einfahren, einführen, einhinführen, einschleifen, eintragen, fahren, führen, herausführen, hereinschleifen, herunterhucken, herunterschleifen, herunterziehen, hinausführen, hinaustragen, hineinführen, hineintragen, hineinschleifen, hinführen, hucken, Misttragen, -trägen, tragen, trägen), dort verteilt u. in den Boden eingearbeitet (anbreiten, anfüllen, anlegen, anschöpfen, aufteilen, ausbreiten, auseinanderbreiten, auseinandermachen, auseinanderschmeißen, auseinanderspreiten, auseinanderstreuen, auseinandertragen, auseinanderwerfen, auseinanderziehen, ausspreiten, ausspreuen, ausstreuen, austeilen, austragen, auswerfen, bäunen, breiten, breitmachen, düngen, durchmisten, einbreiten, eingraben, einhauen, einhinmisten, einhinschmeißen, einhinstrauen, -streuen, einstrauen, -streuen, eintun, hereinschütten, herumschmeißen, herumschoren, herumtun, hineingraben, hineinhacken, hineinhauen, hineinmachen, hineinschmeißen, hineinschoren, hineintun, hineinwerfen, hinuntermachen, ludern, misten, schmeißen, schütten, spreiteln, spreiten, spreuen, strauen, streuen, teilen, untergraben, unterwerken, verbreiten, verlegen, verlochen, vermisten, verschmeißen, verspreiteln, verspreiten, verstrauen, -streuen, verteilen, vertragen, vertun, verzetteln, verzetten, verziehen, verzotteln, voneinanderschmeißen, wegteilen, zerstreuen, zetteln, zetten, zotteln, zuschütten, zuteilen). Bei der Einarbeitg. des Mists, bei der auch Handlanger (Mistzureicher) tätig sein konnten, kamen verschiedene Verfahren zur Anwendg. Die gängigsten waren: ein Loch neben der Rebe ausheben, 1 bis 2 Gabeln Mist einfüllen u. mit Erde bedecken; einen Graben zw. den Rebreihen ausheben, Mist einfüllen u. mit Erde bedecken; Mist um die Reben bzw. in den Rebgassen verteilen u. mit Hacke od. Pflug unterarbeiten. Die Einarbeitg. des Mists zw. 2 Reben hieß in NIEDERÖSTERREICH auf's/über's Paar. Bez. für das Zudecken des in Löcher od. Furchen eingebrachten Mists mit Erde sind zuackern, zudecken, zuraumen, -räumen, zuziehen. In den dt. Siedlungsinseln der Schwarzmeergebiete waren tw. die Böden so fruchtbar, dass das Düngen mit Mist unterbleiben musste, da es, wie Versuche gezeigt hatten, die Reben schädigte. Hier wurde der getrocknete Mist als Brennmaterial verwendet. Nur vereinzelt erwähnt ist die Verwendg. v. Guano, Peru-Guano, d.h. aus den Exkrementen v. Seevögeln bestehenden Düngers.- B. Sonstiges: Gelegentl. wird das Düngen mit Trester (ausbreiten, außeführen, führen, hineinschmeißen, unterhacken, unterpflügen), durch Gründüngung, -ing, d.h. das Einsäen u. spätere Unterarbeiten spez. Begrünungspflanzen (aufhacken, ansäen, einsäen, Einsaat, Gründünger, umbrechen, unterhinbrachen), u. das Einbringen (einstrauen, -streuen, strauen, streuen, umpflugen, -pflügen, unterlegen, unterpflügen) and. organischer Düngestoffe u. -mittel (Grundbirnenlaub, Hornschlamm, Klärschlamm, Kompost, Laub, Lützeldünger, Müllkompost, Stroh) in den Weinbergsboden erwähnt. Im neueren Weinbau ist man dazu übergegangen, das zerkleinerte Rebholz (REBHOLZBESEITIGUNG) in den Weinbergsboden einzuarbeiten (abzackern, einackern, einhacken, mulchen, umpflugen, -pflügen, unterpflügen, unterzackern). Aus Kitzeck (STEIERMARK) wird berichtet, dass früher in Vorbereitg. einer NEUANLAGE gr. Mengen v. Strauch- u. Buschwerk zu Bündeln (Bausch) zusammengebunden wurden (bäuschen), die man dann beim Umgraben des Weinbergs (rigolen, gerigolen) als Vorratsdüngg. eingrub.- III. Mineralische Düngung: A. Mit natürl. Gestein bzw. Boden: Verschiedentl. wurde zur Melioration der Weinbergsböden die Überdeckg. od. Vermengg. mit bes. Boden- u. Gesteinsarten praktiziert, die tw. nicht nur auf mineralische Düngg., sondern auch auf eine Verbesserg. des Wärme- u. Feuchtigkeitshaushalts des Bodens zielte. So wird aus einigen Orten der Weinbaugebiete AHR u. MOSEL die Bodendeckg. mit Schiefer vermeldet (bekümmern, besetzen, kümmern, schiefern), der aus Steinbrüchen oberhalb der Weinberge gewonnen u. in kl. Stückchen zerschlagen (klopfen) wurde. Im Bereich des Rotliegenden in RHEINHESSEN hatten die Winzer Steinbrüche in den Steillagen, wo verwitterungsfreudiger Tonschiefer gebrochen wurde, mit dem man die Weinbergsböden im Abstand v. einigen J. überschüttete (kiesen). In Homburg (FRANKEN) wurde Verwitterungsgestein aus über den Weinbergen anstehendem Muschelkalk auf der Schütte gesammelt u. bei Bedarf nach unten in die Weinberge gehackt. In Horrheim (WÜRTTEMBERG) brachte man Mergel in die Weinberge ein (hineintragen), in Tegerfelden (AARGAU) eine best. Art v. Waldboden.- B. Mit Asche: Manchenorts wurde mit Holzasche gedüngt. Sie galt als geringwertiges Düngemittel. Da in ihr kein Stickstoff enthalten ist, musste dieser gesondert zugeführt werden.- C. Mit Kunstdünger: Düngg. mit Kunstdünger (Chilesalpeter, Industriedünger, Kalithomasmehl, Kunstdünger, Kunstmist, Mineraldünger, Nitrophoska, Salz, Selitra, Thomasmehl, Thomasschlacke, Volldünger) wird in größerem Umfang erst seit dem 20. Jh. praktiziert. Das Einbringen in den Weinberg nannte man ansäen, einhingeben, einhinstrauen, -streuen, säen, salzen, strauen, streuen.-Lit.: Dornfeld 1864, 263ff.; Kiefer 1978, 90f.; Linsenmaier/Daub 1955, 29ff.; Müller K. 1930, 170f. 310. 353. 544. 802; Schumann 1998, 70f.; Vogt/Schruft 2000, 190ff.; WKW 80/403ff. 81/414ff.- R.P.






Jauchefass
Jauchefass


Artikel wurde aus Cache gelesen