BODENARBEIT:
I. Allgemeines.
II. Herbst-/Winterbau.
III. Frühjahrsbau.
IV. Sommerbau.
I. Allgemeines: Den Maßnahmen der Bearbeitg. u. Pflege des Weinbergsbodens (zu den dabei verwendeten Gerätschaften s. GERÄT) kommt für das gesunde Wachstum der Reben u. letztl. auch die Qualität des Weins gr. Bedeutg. zu. In Weinbergen ist die Bodengare allerdings nur unter erschwerten Bedingungen zu erhalten, denn langjährige Monokultur, Erosion u. extreme Sonneneinstrahlg. in exponierten Hang- od. Steillagen, geringe Humusgehalte, Bodenverdichtg. durch Reihenkultur, durch häufiges Begehen u. Befahren im Rahmen der zahlr. Weinbergsarbeiten (WEINBERGSARBEIT) wirken belastend auf den Boden. Aufgaben der Bodenbearbeitg. (Bodenarbeit, Bodenwerk, Erdarbeit, Herdarbeit) sind generell die Erhaltg. u. Förderg. der Bodenfruchtbarkeit sowie die Wasser- u. Nährstoffversorgg. der Reben. Hierzu dienen insbes. die Lockerg. v. Verdichtungsschichten durch Herstellg. v. luft- u. wasserführenden Hohlräumen zur Verbesserg. der Regenverdaulichkeit u. des Luftaustausches, die Unkrautbekämpfg. sowie das Unterarbeiten v. organischen u. mineralischen Düngemitteln (DÜNGUNG). Die Bodenpflege des heutigen Weinbaus steht großenteils im Zeichen der maschinellen Direktzugbearbeitg. u. der Begrüng. Im älteren Weinbau hingegen war die heute nur noch in bes. Fällen als sinnvoll erachtete, sog. offene Bodenbearbeitg., bei welcher der Boden ständig mit der Hacke gelockert, durchmischt u. v. Bewuchs freigehalten wurde, die gängigste u. bei niederer REBERZIEHUNG auch notwendige Form der Bodenbewirtschaftg. Alle Arbeiten wurden v. Hand ausgeführt u. waren tw. sehr arbeitsintensiv. Wie ein Arbeitstag beim Hacken des Weinbergs mit dem Karst im 1. Drittel des 20. Jhs. aussah, beschreibt ein Winzer aus Heimersheim (RHEINHESSEN): unterbrochen v. halbstündigen Pausen an Vor- u. Nachmittag u. einer zweistündigen Pause am Mittag wurde gehackt v. 6:00-8:30 Uhr, 9:00-11:00 Uhr, 13:00-16:00 Uhr, 16:30-19:00 Uhr. In Bech-Kleinmacher (LUXEMBURG) bemaß sich die Leistungsfähigkeit eines jungen Winzerburschen daran, wieviel Hackarbeit er schon vor dem Frühstück (fürdersuppen) erledigen konnte; die Hackarbeit eines halben Tages nannte man Ruck. Der seit Beginn des 20. Jhs. um sich greifende, die Einrichtg. breiterer Rebgassen (WEINBERGSTEIL) voraussetzende Einsatz des Pflugs u. and. mechanischer Geräte führte dann zu wesentl. Arbeitsentlastg. Nach Maßgabe der zeitgenössischen Weinbaulit. (vgl. z.B. Arthold, Müller, Scheu) lassen sich die im Laufe des J. verrichteten Bodenarbeiten des älteren Weinbaus in die Phasen Frühjahrs-, Sommer- u. Winterbau (auch Herbstbau genannt) gliedern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein für alle Weinbaugebiete gleichermaßen gültiges System feststehender Bodenarbeiten. Vielmehr haben sich unter den spezifischen klimatischen, geographischen u. weinbaugeschichtl. Bedingungen reg. Besonderheiten herausgebildet; tw. variieren die Verhältnisse sogar örtl. je nach Lage, Boden- u. Erziehungsart des Weinbergs. Eng mit der Bodenbearbeitg. verknüpft war das verschiedentl. noch bis in die 1940er J. praktizierte Niederlegen u. Zudecken der Reben im Herbst, dessen Durchführg. od. Unterlassg. den Ablauf der Weinbergsarbeiten im Frühj. bestimmte u. deshalb zuerst anzusprechen ist.- II. Herbst-/Winterbau: Im älteren Weinbau war in Gegenden mit strengen Wintern das Niederlegen bzw. Zudecken der Reben im Herbst als FROSTSCHUTZ übl. Diese Maßnahme (abdecken, abedrucken, -drücken, abelegen, angraben, anhauen, anhäufeln, anwerfen, anziehen, aufhäufnen, aufziehen, bedecken, behäufeln, decken, einhäufeln, einhaufen, einlegen, einschlagen, häufeln, haufen, häufen, herunterdrücken, heruntersenken, hinablegen, hinlegen, hinunterlegen, legen, lochen, niederdrucken, -drücken, niederlegen, niederziehen, Rebenumlegen, schöreln, trechen, überstechen, überwenden, umlegen, Winterhacke, zudecken, zuhacken, zuhauen, zuhäufeln, zumachen, zusammenschaufeln, zuschmeißen, zuschöpfen, zuschüffeln, zuwerfen, zuziehen) war an die früher praktizierten niederen Erziehungsarten gebunden. Bei Kopf- od. Bockerziehg. (KOPFERZIEHUNG), wie sie z.B. in ÖSTERREICH überwiegend übl. war, wurde der Rebkopf zugedeckt, indem Erde aus der Mitte der Gasse über die Reben gezogen wurde. Bei SCHENKELERZIEHUNG, wie sie etwa in WÜRTTEMBERG u. FRANKEN praktiziert wurde, umfasste man das zu einem Stock gehörige Rebholz mit der Hand, drückte es auf den Boden, trat mit dem Fuß darauf u. warf Erde auf Kopf, Schenkel u. Ruten. Zum Abdecken wurden auch ausgestochener Rasen od. Stroh, zum Beschweren auch die ausgezogenen Stützpfähle verwendet. Beim Niederlegen musste u.U. Erde unter den Schenkelansatz gezogen werden, damit dieser eine Auflage hatte u. beim Biegen nicht v. Kopf abbrach. Auf steinigen Böden, wo ein Zudecken mit Erde nicht mögl. war, begnügte man sich mit dem Niederlegen der Reben durch das Beschweren mit Steinen u. Rebpfählen, womit wenigstens Schutz vor kalten Winden gegeben war. In den Weinbaugebieten THURGAU u. ZÜRICH war es tw. übl., die niedergelegten Reben miteinander zu verflechten (abeflechten, flechten), um sie am Boden zu halten. Mit Einführg. höherer Erziehungsarten (REBERZIEHUNG) wurde ein Niederlegen der Reben unmögl. Bei veredelten Reben (VEREDLUNG) war es jedoch übl. geworden, mit der Hacke od. dem Pflug Erde an den Rebstamm zu häufeln, um die empfindl. Veredlungsstelle vor Frost zu schützen. Bei diesem Arbeitsgang wurde zugleich das Unkraut in der Zeile zw. den Stöcken abgedeckt u. starb ab. Die Terminologie dieses Anhäufelns fällt tw. mit der des älteren Zudeckens zusammen (abdecken, anackern, anfahren, angraben, anhäufeln, anpflügen, anwerfen, anzackern, anziehen, aufackern, aufgrubbern, aufhäufeln, aufhäufnen, aufziehen, auseinanderpflugen, ausschoren, bedecken, behäufeln, beihacken, beipflügen, daranfahren, decken, durchfahren, einfahren, einhaufen, einhäufeln, einschlagen, einzackern, fahren, fürchen, fürcheln, häufeln, haufen, häufen, hineinwerfen, schöpfen, widerzackern, zackern, zuackern, zudecken, zuhacken, zuhauen, zuhäufeln, zuhinackern, zumachen, zupflügen, zuraumen, -räumen, zusammenschaufeln, zuschmeißen, zuschöpfen, zustechen, zuwerfen, zuzackern, zuziehen). Auch wo das Zudecken od. Anhäufeln der Reben mit Erde nicht (od. nicht mehr) praktiziert wurde, erfolgte vielerorts im Herbst eine abschließende Bodenbearbeitg. teils tieferer, teils flacherer Art (abschaben, abzackern, ackern, anpflügen, auffahren, aufgraben, aufhacken, aufpflügen, aufreißen, auseinanderzackern, durchfahren, durchhacken, fahren, gleichenhacken, graben, Graben II (Arbeit), grubbern, hacken, Hacken, hauen, haufen, häufen, Herbstgraben, herumhacken, herumstocken, kultivieren, luckmachen, pickeln, pflügeln, pflugen, pflügen, rauhacken, schlagen, schlappen, schoren, spaten, stülpen, tieffahren, umackern, umfahren, umgraben, umlappen, umspaten, umstechen, Winterbau, wintergraben, Wintergräft, Winterhacke, winterhacken, zackerfahren, zackern, zubauen). Bei tieferer Bearbeitg. wurde die umgeworfene Erde in groben Schollen belassen, um durch Aufnahme der Winterfeuchte u. Ausfrieren (auffrieren, auseinanderfahren, ausfrieren, ausgefrieren, durchfrieren, durchgefrieren, verfrieren) eine gut gelockerte u. gare Bodenschicht für das folg. Frühj. zu erhalten (Bodengare, Wintergare).- III. Frühjahrsbau: Die Abfolge der Frühjahrsarbeiten war v. den Maßnahmen des Herbstbaus abhängig. Im Herbst zugedeckte Reben mussten im Frühj. vor dem Schnitt zuerst freigeräumt werden. Die Schenkel wurden aus der Erde herausgezogen (aufschnappen, ausheben, fürziehen, vor-, gewinnen, herausholen, herauslassen), die Reben v. der sie bedeckenden Erde befreit (abfahren, abhacken, abhäufen, abpflügen, abraumen, -räumen, abschaben, abschuffeln, -schüffeln, abzackern, aufdecken, aufedecken, aufgrübeln, aufhacken, aufraumen, -räumen, aufschmeißen, aufziehen, aushacken, aushauen, auskräueln, ausraumen, -räumen, auswerfen, ausziehen, beizackern, beiziehen, dannenackern, davonfahren, ebenziehen, enwegfahren, enwegschoren, fahren, freifahren, freiraumen, herabschaffen, heraushacken, herausraumen, hochraumen, raumen, räumen, vertraumen, wegackern, weghäufeln, wegkräuelen, wegpflügen, wegraumen, -räumen, wegzackern, Weingartenaufdecken, zackern, ziehen, zurückackern, zusammenpflugen). Bei diesem Arbeitsgang wurde zugleich der untere Teil des Rebstamms bzw. der Wurzelhals freigelegt, um ggf. unerwünschte Triebe u. Tauwurzeln (WURZEL) zu entfernen (abenehmen, abfasen, abfasern, abhauen, abmachen, abputzen, abschneiden, abwurzeln, entwurzeln, enwegmachen, fortschlagen, schwenden, wegbrechen, wegmachen, wegschneiden). Das Freiräumen der Stöcke konnte u.a. in der Weise geschehen, dass die Erde v. den Reben in die Gassenmitte gezogen wurde, sodass ein kl. Erdwall zw. den Zeilen entstand (Balken II (Erdaufwurf), Sattel, Weingartensattel). Wenn das Freiräumen mit dem Pflug erfolgte, wurde der Bereich in der Rebzeile zw. den Stöcken v. Hand nachgearbeitet (ausputzen, graben, hacken, hauen, nachputzen, scharrieren, schoren). Nach dem Rebschnitt erfolgte eine meist tiefgründige Bodenbearbeitg. mit dem Ziel, den Boden für die bevorstehende Vegetationsperiode in einen gut gelockerten, garen Zustand zu versetzen (abfelgen, aufhacken, auflockern, ausbauen, bauen, brachen, durchbauen, durchfahren, durchgrubbern, durchhacken, durchhauen, Erdarbeit, fahren, falgen, felgen, Fastenhauen, Frühjahrshacke, fürcheln, graben, Graben II (Arbeit), grubbern, hacken, Hacken, Hacket, Haue II (Arbeit), hauen, Hauen, Haupterdarbeit, herumhacken, herumhauen, herumschaffen, herumschoren, karsten, Karsthacken, Karsthauen, Keilhauen, lockern, märzhacken, Räumhacke II (Arbeit), Rebengraben, Rebenhacken, rissern, stülpen, tiefhauen, umbauen, umstechen, Weingarthaue II (Arbeit), Weingarthauen, Weingartshacken). Von Hand ausgeführt, galt sie vielfach als die aufwendigste u. beschwerlichste Bodenarbeit, zu der man u.U. zusätzl. Arbeitskräfte heranzog. Dabei wurde der ganze Weinberg mit der Hacke bis in eine Tiefe v. ca. 15-20cm gründl. bearb. Wo Gassenbreite u. Gelände es erlaubten, wurde diese Arbeit später zunehmend mit dem Pflug od. pflugähnl. Geräten erledigt u. konnte mit dem Freiräumen bzw. Abhäufeln der Reben zusammenfallen. Je nach Intensität der Bodenbearbeitg. im Herbst u. abhängig v. der Bodenart konnte die 1. Bodenlockerg. im Frühjahr jedoch auch weniger intensiv ausfallen (abschürfen, aufgraben, darüberschaben, hacken, lockern, modeln, rühren, schaben, schorben, schräpfen, schürfeln, schürfen, schürteln). Auch musste in der Praxis gelegentl. eine flache Bodenbearbeitg. mit Unkrautbeseitigg. vor die tiefe Bodenbearbeitg. platziert werden, wenn zu starke Bodenfeuchte ein tiefes Umgraben zum übl. Zeitpunkt nicht zuließ.- IV. Sommerbau: Im Ggs. zur tiefen Lockerg. im Frühj. od. Herbst waren die Bodenbearbeitungen im Verlaufe des Sommers i.d.R. flachgründiger Art (abkratzen, -krätzen, abschaben, abscharren, abschüffern, Andertenhauen, anhäuneln, aufhacken, aufreißen, aufrühren, aufschöpfen, aufziehen, ausraumen, -räumen, Bandhauen, Bandscherren, Beerenhacke, bauen, becken, binen, brachen, drieweden, dritteln, droßen, durchhacken, durchhäuneln, durchscherren, durchziehen, egden, eggen, einstreifen, falgen, felgen, Fresshacket, fürchen, graben, Graben II (Arbeit), Grasscherren, Grünhauen, Hacke II (Arbeit), hacken, Hacken, hauen, Hauen, häuneln, herumhacken, Jathauen, Jatscherren, kappen, kärsteln, karsten, kratzen, krätzen, Krauthacke II (Arbeit), kultivieren, lautern, läutern, lockern, mulchen, pioschen, Rebenrühren, reißen, rühren, ruscheln, Saufhacket, schaben, schabern, scharren, scheren, scherren, schöpfen, schorben, schoren, schrubben, schuffeln, schüffeln, schüffern, schuppen, schürfen, Sommergräft, Sommerhacken, stören, umhauen, vierteln, Weichen-Wein-Hauen, Weichhauen, Weingarthauen, Weingartruscheln, Weingartschaben). Das oberflächl. Auflockern od. Abschürfen des Bodens, das i.Allg. 2-3-mal durchgeführt wurde, diente dazu, den Weinberg unkrautfrei zu halten, wobei Unkrautbeseitigg. u. Unterbrechg. der Kapillarität auch unproduktiver Wasserverdunstg. entgegenwirkten. Häufigkeit u. Zeitpunkt im Einzelnen richteten sich nach der Intensität der Verunkrautg., der Bodenbeschaffenheit u. dem Fortgang der übr. Weinbergs- u. ggf. Landwirtschaftsarbeiten. Bei lockeren, sandigen od. steinigen Böden war eine Auflockerg. weniger oft notwendig als bei zu Verdichtg. neigenden, schweren Ton- od. Mergelböden. Verschiedentl. verband sich mit der letzten Bodenarb. vor der Lese eine sorgfältige Glättg. des Weinbergsbodens mit dem Rechen, um auf diese Weise die Spuren v. Traubendieben erkennen zu können (ausrechen, -rechnen, ausschlägeln, einputzen, einrechnen, recheln, rechen, rechnen, verrechnen). Im neueren Weinbau wird auch die flache Bodenbearbeitg. mechanisch durchgeführt (durchfahren, grubben, grubbern, fräsen, kultivieren, zackern). Neben der o.g. Terminologie der flachen Bodenbearbeitg. waren verschiedentl. noch gesonderte Ausdr. für spez. Arbeitsgänge od. Verfahren der Unkrautbehandlg., etwa das Ausrupfen mit der Hand od. das Schneiden v. Unkraut als Viehfutter, geläufig (abhacken, abhauen, abrupsen, absabeln, abschaben, abscharren, abscheren, -scherren, abschlagen, abschuffeln, -schüffeln, abschuppen, absicheln, abtragen, ausgrasen, aushacken, aushauen, ausjaten, -jäten, ausklauben, auspflücken, ausputzen, ausreißen, ausroden, -rotten, ausrupfen, ausscheren, -scherren, ausschrecken, aussicheln, bekämpfen, blößen, durchscherren, enweghauen, grasen, heraushauen, herausklopfen, herummachen, heuen, jäten, kappen, krauten, mähen, millen, pflücken, raufen, rupfen, saubermachen, saubern, säubern, schaupen, schuben, sicheln, töten, trecken, umfahren, Unkrauthacken, verraumen, vertilgen, weggrasen, weghauen, wegmachen, wegraumen, -räumen, weiden, wusten, zackern).-Lit.: Arthold 1929, 205f. 219ff.; Bauer K. 2002, 192ff.; Bauer K. u.a. 2004, 5ff.; Dornfeld 1864, 241ff.; Gollmick u.a. 1980, 51f.; Kiefer 1978, 89f.; Linsenmaier/Daub 1955, 23ff.; Müller K. 1930, 103f. 256f. 781. 974f.; Puhl 2009, 63ff.; Scheu 1950, 169ff.; Schumann 1998, 47ff.; Seppälä 2001, 107ff.; Vogt/Schruft 2000, 172ff.; WKW 74/368ff. 76/385ff. 78/395ff. 79/399ff.- R.P.




Artikel wurde aus Cache gelesen