BINDEMATERIAL:
I. Allgemeines.
II. Bei der Bindearbeit: A. Weide.- B. Getreidehalm/Stroh.- C. Mais.- D. Bast.- E. Sumpfpflanze.- F. Hanf.- G. Schnur.- H. Textilien.- I. Draht.- J. Kunststoff.
III. Bei der Bündelbereitung: A. Strohbündel.- B. Weidenbündel.- C. Rebholzbündel.
I. Allgemeines: Im WDW wird der Terminus Bindematerial vor allem als Oberbegriff für die Materialien verwendet, die im WEINBERG bei Bindearbeiten (vgl. II.) benutzt werden. Hierbei ist das Gertmaterial (GERTEN) zum Befestigen v. Rebstämmen, Rebschenkeln u. den gebogenen Fruchtruten (HOLZ/TRIEB) v. Heftmaterial zu unterscheiden, das zum Befestigen der jungen Triebe im Sommer, dem sog. Heften (LAUBARBEIT) benutzt wird. Traditionell werden für diese Weinbergsarbeiten pflanzl. Materialien (bes. Weide u. Stroh) verwendet, die tw. eine recht aufwendige Zubereitg. u. Vorbehandlg. erforderl. machen (BANDHERSTELLUNG). In den letzten J. wurden diese aber mehr u. mehr durch künstl. Bindematerialien wie Draht u. Kunststoffbänder verdrängt, denn die natürl. Materialien verlangen bei der Bindearbeit auch v. Personal eine bes. Geschicklichkeit für die Herstellg. des gedrehten Verschlusses (Bund, Bunden, Broden, Drahl, Drillich, Klafter, Klank, Knot, Knoten, Knöt, Knöten, Kringel, Masche, Mäschelein, Püppchen, Schlaufe, Schläuflein, Schlinge, Schlupf, Schlüpf, Schnapper, Schnecke, Schnecken, Trodel, Trudel II (Verschluss), Trüdel). In den 1980er J. fand vielfach auch schon fertig zugeschnittenes Bindematerial (Bindeband, Rebbindeband) Verwendg. Auch zur Herstellg. v. Bündeln (vgl. III.) wurde Bindematerial benötigt.- II. Bei der Bindearbeit: A. Weide: Im Weinbau werden bei Bindearbeiten vor allem Weidenarten mit biegsamen Ruten (PFLANZE) bevorzugt. Dickere Weidentriebe werden beim Gerten, dünnere Triebe od. gespaltene Weidentriebe (spalten, spälten, Spaltweide) auch beim Heften verwendet (Anbindband, Anbindbändlein, Anbindweide, Anbindwiede, Anbindwiedlein, Ast I (Zweig), Band I (Material), Bande, Bandholz, Bandweidlein, Beugweidchen, Beugweide, Biegband, Biegweide, Biegweidlein, Biegzinken, Bindbändlein, Bindweide, Bogenweide, Felbe, Felber, Felberband, Felberbändlein, Felberrute, Felberwiede, Gelbe Weide, Gertweide, Heft, Hefte, Heftweide, Knüpfweide, Neigbändlein, Rebbändlein, Reben-, Rebbindweide, Reben-, Rebenweide, Rebweidlein, Reben-, Rebenwiede, Rote, Rute, Rutenbiegweide, Rutenbiegweidlein, Seeweide, Sommerbändlein, Weidchen, Weide, Weidenband, Weidenbaum, Weidenrute, Weidenzweig, Weidlein, Weide-, Weinbergweide, Weingartsband, Weingartsweide, Weingartwiedlein, Wiedchen, Wiede, Wiedenrute, Wiedenrütlein, Wiedlein, Wiede-, Wilge, Zwinke, Zwinken). In Bergholtz/Bergholz (ELSASS) wird die zubereitete Weide Reine genannt. Die GWP aus Walheim (WÜRTTEMBERG) unterscheidet nach abnehmender Länge folg. Arten, die bei der Zubereitg. entsprechend sortiert wurden: Holzweide (zum Zusammenbinden des Rebholzbündels), Zeineweide, Anhängweidlein u. Biegweidlein (zum Befestigen der Fruchtrute). In Flein (WÜRTTEMBERG) wurden beim Sortieren (lesen) folg. Weidentypen unterschieden: Klänkweide (sehr dicker Weidentrieb zum Zusammenbinden des Rebholzbündels), Anemachweide (dicker Weidentrieb zum Anbinden des Rebbogens an den Pfahl), Biegweide (zum Befestigen der gebogenen Fruchtrute), Rutenbiegweidlein (dünner Weidentrieb zum Anbinden der Fruchtrute). In Cardano/Kardaun (SÜDTIROL) wurden die Fachw. Schaubband, Bindbändlein u. Sommerbändlein zur Benenng. der unterschiedl. Stärken u. Funktionen verwendet. In den 1980er J. wurde vielfach noch mit Weide gebunden, so z.B. i.J. 1983 in Haardt, 1984 in Berghausen (PFALZ). In Michelbach (FRANKEN) gab es im J. 1981 aber nur noch einen alten Winzer, der mit gelben od. grünen Weidchen die gebogenen Fruchtruten befestigte. In Ribnik/[Rübnig] (SLOWENIEN) benutzte man nur die kl. Weidentriebe der Gelben Weide (Gelbe Weide).- B. Getreidehalm/Stroh: Um gutes Bindstroh für den Weinberg zu erhalten, wurde das Getreide nicht mit der Maschine, sondern v. Hand mit dem Dreschflegel (GERÄT) gedroschen. In Winningen (MOSEL) wurden junge Roggenhalme (Roggen) zum Heften benutzt. Sonst verwendete man aber meist Stroh, bes. Roggenstroh (Kornstroh, Treidstroh), da es wenig Knoten aufweist (Bindstroh, Binde-, Heft, Hefte, Heftstroh, Heften-, Langstroh, Ströhlein). In Gârbova/Urwegen (RUMÄNIEN) wurde früher spez. zur Gewinng. v. hartem Stroh (Olenkstroh) die Getreideart Olenk (Spelz) angebaut, die breite Ähren besitzt, aus denen die Körner leicht herausfallen. Beim Binden wurden i.d.R. mehrere Strohhalme verwendet, z.B. 2 Halme (Faden) in Kleinradl (STEIERMARK), 2-3 in Lansitz (SCHLESIEN), bzw. ein Halm wurde doppelt genommen, so z.B. in Leubsdorf (MITTELRHEIN) u. Niederneunforn (THURGAU). Nicht nur beim Heften, sondern auch zum Befestigen der gebogenen Fruchtruten wurde früher Stroh benutzt. Die GWP aus Wallhausen (NAHE) wies darauf hin, dass das beim Gerten verwendete Stroh v. einem mageren Acker stammen musste, damit es dünn blieb. Für das Heften sei längeres Stroh genommen worden. Bevor das Stroh als Bindematerial verwendet werden konnte, musste es aufwendig zubereitet werden; auf das Entfernen der Ähren weist die Bez. Schüttenstroh hin.- C. Mais: In Weinbaugebieten, in denen Mais (Kukuruz) angebaut wurde, knüpfte man die Maisblätter od. häufiger die Hüllblätter des Maiskolbens (Welschkornkolben) zu Bindematerial zusammen. In Teremia Mare/Marienfeld (RUMÄNIEN) band man über Winter in Gemeinschaftsarbeit lange Maisblätter an einem od. an den beiden Enden aneinander; 100 Stück wurden anschließend zu dem sog. Heftsachbuschel zusammengebunden. Die Hüllblätter wurden v. Maiskolben abgeschält u. zum Heften verwendet (Heftsach, Schällaub). Auch in and. Aufnahmeorten fanden diese Hüllblätter (Bretsche, Pratsch, Liesch, Lüsch, Kukuruzbändel, Kukuruzbast, Kukuruzliesch, Laubbast, Schefe, Türkenbretsche) als Bindematerial Verwendg. In Tiflis/Alexanderdorf (GEORGIEN) nahm man nur die inneren, vor Gebr. gewässerten Hüllblätter. Die äußeren wurden weggeworfen, da sie zum Anbinden zu hart waren.- D. Bast: Vor allem beim Heften kamen versch. Bastarten (Anbindbast, Bast, Kokosbast, Laubbast, Motschalo, Naturbast), bes. v. der Linde (Lindenbast) od. der Palmenart Raphia, zum Einsatz. Der Raphiabast wurde importiert. Während des 2. Weltkriegs war in Winningen (MOSEL) kein Bast erhältl., daher wurden die altbewährten Materialien Stroh, junge Roggenhalme u. Sauergras (s.u.) verwendet.- E. Sumpfpflanze: Als Bindematerial beliebt waren auch versch. Sumpfpflanzen (Biese, Binse, Butterbinse, Jenk, Schaz, Tschasch, Schlatach, Schwummele, Schwümmele, Rundschwümmele, Sime, Tschadi). In Fellbach (WÜRTTEMBERG) wurde Pfeifengras (Rähmschaub) verwendet, das an feuchten Stellen im Wald wächst. Es ist ca. 1,50m lang u. besitzt keine Knoten. In Winningen (MOSEL) nahm man zum Heften Sauergras. Es handelt sich hierbei lt. GWP um ein horstbildendes, ca. 80cm langes Gras mit breiten, schneidenden Blättern, das am sumpfigen Moselufer wächst. In Botsch (RUMÄNIEN) diente zum Heften Räsch, eine auf feuchten Wiesen wachsende Schilfart, die sich v. Rohr, das gerne bricht, unterscheidet.- F. Hanf: In Budacu de Jos/Budak (RUMÄNIEN) wurde der Hanfsamen Ende Mai ausgesät, damit der Hanf im Sommer zur Herstellg. des Bindematerials für die LAUBARBEIT geerntet werden konnte. Nur die weibl. Hanfpflanzen, die im Ggs. zu den männl. grün bleiben, wurden hierfür verwendet. Von diesen wurde auch Samen zum erneuten Aussäen zurückgelegt.- G. Schnur: Versch. Schnurarten (Bindfaden, Bindel (Art Spagat), Kordel, Rebbindegarn, Rebenspagat, Rebschnur, Schnur, Sisalband, Sisalkordel, Sisalschnur, Strick), auch Abfallprodukte (Abfallschnur), fanden Verwendg. In Mainberg (FRANKEN) z.B. wurden früher Sisalschnüre benutzt, die beim Dreschen mit der Maschine als Abfall anfielen. In diesen Zshg. gehört evtl. auch das Fachw. Maschinenkordel.- H. Textilien: In der UKRAINE u. in RUMÄNIEN kamen Streifen zerrissener Textilien (z.B. Strümpfe, Strumpfhosen, Unterhemden) od. Stoffreste aus der Fabrik beim Gerten u. Heften zum Einsatz.- I. Draht: Häufig benutzte man auch versch. Drahtarten, z.B. Rosendraht, am häufigsten aber den papierummantelten Bindedraht (Anbinddraht, Papierdraht, Papierdrähtlein, Papierkordel, Papierschnur, papierummantelt, Schnur, Schnurdrähtlein, Stahldrähtlein). Die Verwendg. eines Drahtrings (Drahtring, Drahtstahlring, Stahlring, Rebring) zum Befestigen der gebogenen Fruchtruten u. der Sommertriebe wurde nur aus der SCHWEIZ u. LIECHTENSTEIN gemeldet.- J. Kunststoff: In den 1980er J. benutzten die Winzer vielfach schon Bänder aus Kunststoff für die Bindearbeiten im Weinberg (Kunstbast, Kunstfaden, Kunstfaser, Kunstfaserstoff, künstlicher Bast, Kunstschnur, Kunststoff, Kunststoffband, Kunststoffbast, Kunststofffaden, Kunststofffaser, Kunststoffgarn, Kunstschnur, Kunststoffzeug, Kunststroh, Nylon, Nylonband, Nylonbändlein, Nylongarn, Plasteband, Plastik, Plastikband, Plastikbändlein, Plastikbast, Plastikdrähtlein, -drähte-, Plastikgarn, Plastikklämmerlein, Plastikmaterial, Plastikringelein, Plastiksache, Plastikschnur, Plastikschnürlein, -schnüre-, Plastikzeug, Plaststreifen). In Nagybörzsöny/Deutschpilsen (UNGARN) wurden i.J. 1984 Milchbeutel aus Plastik in Streifen geschnitten u. als Heftmaterial verwendet.- III. Bei der Bündelbereitung: Bindematerial wie Weide, Stroh, Schnur u. dgl. wurden auch bei der Bündelherstellg. benötigt. Die hergestellten Bündel wurden je nach ihrer Größe unterschiedl. bez., z.B. Bürdel, Schaub, Bankert (mit abnehmender Größe).- A. Strohbündel: Aus größeren Strohbündeln wurden i.Allg. kleinere handl. Strohbündel spez. für den WEINBERG hergestellt (Bankert, Bindebüschel, Schäublein, Schäube-), die z.B. mit einer Schnur (Seilchen) zusammengebunden wurden. In Niederneuforn (THURGAU) war das kl. Strohbündel, das Schäublein, Schäube-, ca. 12-15cm dick. Das Bodenheldschäublein bestand aus kürzeren Strohhalmen zum Befestigen des Rebbogens, während das Bindschäublein längere Halme enthielt. Große Strohbündel (Schütt) aus ausgedroschenem Stroh (Schüttstroh) wurden in Leitmeritz (TSCHECHIEN) ebenfalls zu kl. Bündeln (Wischel) weiterverarbeitet. Auch in Mailberg (NIEDERÖSTERREICH) wurde das ausgeschüttelte Roggenstroh gebündelt. In Donnerskirchen (BURGENLAND) stellte man aus kl. Strohbündeln (Bankert) ein so gr. Bündel (Schaub) her, dass es unter dem Arm in den Weinberg getragen werden konnte. Bei der Bindearbeit wurden immer 4 Halme aus dem Bankert gezogen, das nach dem Wässern in einem blauen Tuch (Fürtuch-, Vor-) im Weinberg mitgeführt wurde. In Brod nad Dyjí/Guldenfurt (TSCHECHIEN) band man das Roggenstroh in kreuzweisen Lagen zu einem Bündel zusammen (Kreuzbündel). Dieses wurde dann im Winter zu kl. Strohbündeln weiterverarbeitet.- B. Weidenbündel: Die gr. Vielfalt der Bez. für das Weidenbündel reflektiert die ehemals gr. Bed. dieses Bandmaterials (Armvoll, Ärm-, Bandbüschel, Bandfelberpäcklein, Bausch, Botte II (Bündel), Bund, Bunden, Bündchen, Bundel, Bündel, Bündelchen, Bündlein, Bünde-, Bunkel, Bünkel, Bürdchen, Burde, Bürde, Busch, Buschen, Buschel, Büschel, Buschelein, Büsch-, Büsche-, Felberpäcklein, Felbertschüppel, Garbe, Gebündchen, Gebündel, Handvoll, Handvollete, Hund, Neigbandbuschel, Pack, Packen, Päcklein, Punge, Pungen, Putsch, Schaub, Schübelein II (Bündel), Stoß, Stößel, Tschüppel, Unterstoß, Weidenbausch, Weidenbündchen, Weidenbundel, -bündel, Weidenbündelchen, Weidenbündelein, Weidenbürde, Weidenbusch-, -buschen, Weidenbuschel, -büschel, Weidenbüschlein, -büsche-, Weidengebündchen, Weidenlege, Weidenpäkchen, Weidenschaub, Weidenwelle, Weidenwisch, Welle II (Bündel), Wiedenbüschelein, Wiedleinbünkelein, Wiedleinbüschel, Wilgenbündel, Wilgenschleife). Das kl. Weidenbündel heißt z.B. Bündchen, Buschelein, Büsch-, Büsche-, Handvoll, Päcklein, Reiste, Schäublein, Schäube-, Schörzken, Tschüppel, Tschüppelein, Unterstößlein od. Weidenbuschel, -büschel. In Heiligenstein (ELSASS) besteht 1 Docke aus 8 kl. Weidenbündeln (Schäublein, Schäube-).- C. Rebholzbündel: Zum Zusammenbinden des Rebholzbündels, das häufig als Brennmaterial beim Brotbacken verwendet wurde, benutzte man außer Draht, Stroh, Schnüren u. Stricken (z.B. Kälberstrick, Kordel) oft auch Weide (Särmdenweide, Schaubband, Schlupfweide). In Steingruben (NAHE) wurde das abgeschnittene Rebholz erst mit Hilfe der Wellenkette zusammengezurrt, dann wurde es mit Draht, Weide od. Wilder Rebe zusammengebunden.-Lit.: Müller E. u.a. 2000, 67, Abb. 21; ib. 162, Abb. 75.- M.B.



Weiden, Schilfgras u. Binsen
Weiden, Schilfgras u. Binsen

Bindematerial: Strohband zum Anbinden der belaubten Rebtriebe
Bindematerial: Strohband zum Anbinden der belaubten Rebtriebe

Weidenruten zum Anbinden des Bogenschosses
Weidenruten zum Anbinden des Bogenschosses

mit Weide angebundener Rebstamm
mit Weide angebundener Rebstamm








Tonbsp.: Bandstroh, Herstellung der versch. Strohbündelarten (Donnerskirchen/Burgenland, Österreich)


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